09.02.2016

„Die Hüftendoprothetik ist eine Erfolgsgeschichte der Medizin!“

Chirurgen des Vinzenzkrankenhauses Hannover informierten umfassend zum Thema moderne Hüftprothetik bei Ersteingriffen

„Wir wissen um die große Bedeutung des Themas für die Betroffenen, immerhin werden in Deutschland jährlich rund 200 000 Hüftoperationen durchgeführt“, begrüßten Dr. Jörg Klanke, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie des Vinzenzkrankenhauses Hannover, und Oberarzt Christian Lamprecht, die zahlreichen Interessierten zur Informationsveranstaltung über moderne Hüftprothetik bei Ersteingriffen. „Es ist ein Thema, dass Sie sicher bedrückt. Wir wollen Ihnen die Angst nehmen, die wirklich unbegründet ist, Sie aufklären über den aktuellen Stand der Medizin und Irrtümer über Hüft-OPs aus der Welt räumen.“

Um die Entwicklung und auch die Faszination der Hüftendoprothetik besser zu verstehen, gab Christian Lamprecht zunächst einen spannenden Einblick in die Geschichte: Ob aus Elfenbein, Vitallium, Plexiglas oder Keramik, ob als Kappen-, Hüftkopf- oder Druckscheiben-Prothese – seit 1890 versuchten kluge Köpfe die perfekte Lösung für eine künstliche Hüfte zu finden. „Bei vielen Modellen waren die Versagerquoten oder die Anzahl der Wechsel-Operationen einfach zu hoch“, so der Facharzt für Unfallchirurgie, Orthopädie und Traumatologie. „Modern beziehungsweise gut ist, was dauerhaft funktioniert. Wir im Vinzenzkrankenhaus sind aus unserer jahrzehntelangen Erfahrung zum Ergebnis gekommen, dass die Totalendoprothese aus einer Polyethylen-Metall- oder Polyethylen-Keramik- Gleitpaarung zurzeit die beste Lösung ist.“
„Die Hüft-OP ist das beste, was die Medizin zu bieten hat“, fügte Dr. Klanke an. „Es ist die OP des 20. Jahrhunderts.“ Und bezog engagiert Stellung der immer wieder in den Medien geäußerten Kritik des zu häufigen Operierens: „Wir nehmen Menschen Schmerzen und oft einen jahrelangen hohen Leidensdruck, weil wir in Deutschland medizinisch bestens aufgestellt sind und uns den Luxus leisten können, in einer alternden Gesellschaft Menschen wieder Lebensqualität und Mobilität zu ermöglichen. Wir tun alles, um nicht zu viel zu operieren, aber auch nicht zu wenig – ein zu langes Hinauszögern einer sinnvollen OP kann auch körperliche Schäden an anderen Organen verursachen, einschließlich eines massiven Muskelabbaus.“ Der Patient könne nach einer Operation erwarten, dass seine Gelenkfunktion wiederhergestellt und er schmerzfrei ist, er sich normal bewegen und meistens seine berufliche Tätigkeit wieder voll ausüben kann, sowie keine Nebenwirkungen mehr durch eine zu hohe Medikamenteneinnahme befürchten muss.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für diesen großen Eingriff? „Hören Sie auf Ihren Körper – ein vernünftiges Abwägen von Nutzen und Risiken ist wichtig“, mahnte Dr. Klanke. „Nicht alle kurzfristig schmerzenden Arthrosen müssen operiert werden. Stellen Sie sich folgende Fragen: Habe ich täglich Schmerzen?, Nehme ich regelmäßig Schmerzmittel ein?, Kann ich weniger als zwanzig Minuten am Stück gehen?, Wünsche ich mir eine Operation? Wenn Sie einige oder sogar alle Fragen mit ‚Ja‘ beantworten, sollten wir ins Gespräch kommen.“ Beide Mediziner plädierten auch ausdrücklich dafür, im Zweifel eine zweite fachliche Meinung einzuholen, denn eine solche Operation will gut überlegt sein.

Wenn die Entscheidung dann gefallen sei, brauche allerdings niemand Angst haben, so die Chirurgen: „Da ist die Resonanz unserer Patienten eindeutig, dass die Sorge im Vorfeld völlig unbegründet ist. Wir können heutzutage jeden Patienten operieren, egal ob Diabetes, Nierenstörungen, Blutgerinnungsstörungen oder Allergien vorliegen. Auch das Medikament ASS muss nicht abgesetzt werden. Selbst für Zeugen Jehovas, die Bluttransfusionen ablehnen, haben wir Lösungen.“
Sollte ein Patient allerdings frisch mit einem Stent operiert sein, an einer fieberhaften Erkrankung leiden oder Grundkrankheiten zunächst noch besser eingestellt werden müssen, wird natürlich die OP zeitlich versetzt durchgeführt. „Und seien Sie sich sicher, dass Sie im Schnitt nach sechs Wochen wieder reisen und nach drei Monaten durchaus im Garten arbeiten können“, erklärte Dr. Klanke. „In der Reha werden Sie auch sofort schwimmen und Radfahren. Wenn die Prothese sitzt, ist nach der Wundheilung wieder alles möglich.“ Die Hüftprothetik ist heutzutage auch so weit ausgereift, dass verschleißbedingte Lockerungen von erprobten Prothesen meist erst nach weit über 15 Jahren eintreten.
„Kommen Sie in unsere wöchentlichen Sprechstunden und lassen Sie sich beraten“, appellierten Dr. Klanke und Christian Lamprecht zum Abschluss der Veranstaltung.