13.06.2016

„Wichtig ist, den Menschen zu sehen und nicht das Röntgenbild!“

Chirurgen des Vinzenzkrankenhauses Hannover setzen bei der Knienendoprothetik auf individuelle Lösungen

Der Ersatz von Kniegelenken zählt zu den häufigsten und erfolgreichsten Operationen in der  Orthopädie und hat sich im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte in Deutschland zu einem  Routineeingriff etabliert. Im Vinzenzkrankenhaus Hannover werden jährlich rund 200  Knieprothesen implantiert – trotzdem sollte ein solcher Eingriff wohlüberlegt sein, sagt Dr. Jörg  Klanke, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie: „Obwohl sich die operativen  Möglichkeiten gigantisch entwickelt haben, führen nicht jede Technik, die wir anwenden können,  und jedes Implantat zu einer Verbesserung. Ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, eine  differenzierte Anamnese und individuelle Beratung sind die Voraussetzung für eine sinnvolle und  erfolgreiche Therapie.“  
Dazu zählen laut Erfahrung des Spezialisten die Klärung der Ansprüche des Betroffenen auf der  einen Seite und die technischen und medizinischen Möglichkeiten auf der anderen Seite. „Der  Patient möchte natürlich in erster Linie keine Schmerzen mehr haben, seine ursprüngliche  Beweglichkeit wiederherstellen und keinen Gedanken mehr an das Gelenk verschwenden“, so Dr.  Klanke. „Da haben wir als Ärzte absolut identische Interessen – wir möchten, dass es Ihnen gut  geht. Wichtig ist allerdings, realistisch zu klären, was machbar ist und was nicht, sowie die  optimale Therapie zu finden.“ Dabei sind die rein medizinischen Befunde, die auf einem  Röntgenbild zu sehen sind, nach Auffassung Dr. Klankes nicht allein ausschlaggebend: „Nicht jede  kurzfristig schmerzende Arthrose muss automatisch zu einer Knie-OP führen.“ Entscheidend sind  Dauer und Intensität des Schmerzes. Wenn der Patient seine aktuelle Situation nicht mehr  toleriert, massiv in seiner Bewegung eingeschränkt ist und die konservativen Behandlungswege so  ausgeschöpft sind, dass die Nebenwirkungen der Schmerzmittel überhand nehmen, sind die  Voraussetzungen für einen Kniegelenksersatz gegeben. „Und die Chancen, nach einer solchen  Operation wieder mehr Mobilität, Schmerzfreiheit und damit Lebensqualität zu gewinnen, sind  sehr gut“, betont Dr. Roberto Gelbke, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Notfall-  und Rettungsmedizin. „Entscheidend ist, den richtigen Patienten zur richtigen Zeit mit der  geeigneten Prothese zu versorgen.“   
Dabei können je nach Bedarf einzelne Komponenten des Knies oder beide Gelenkköpfe ersetzt  werden. „Eine einseitige Knieprothese kann implantiert werden, wenn sich die Arthrose  eingrenzen lässt, Kreuz- und Seitenbänder intakt sind, keine höhergradige  Bewegungseinschränkung vorliegt und sich der Schmerz auf eine Gelenkkomponente  beschränkt“, so Dr. Gelbke. Für einen bikondylären Oberflächenersatz, bei dem beide  Gelenkköpfe ersetzt werden, müssen die Knochenfestigkeit ausreichend gegeben, das hintere  Kreuzband intakt und die Seitenbänder stabil sein. „Dank der medizintechnischen Entwicklung  können wir hier den physiologischen Bewegungsablauf annähernd wieder herstellen. Die eigenen  Seitenbänder stabilisieren das Gelenk, so dass die natürliche Muskelführung erhalten bleibt.“ Bei  weichen Knochenverhältnissen, starken Deformitäten oder instabilen Seitenbändern bleibt   allerdings als das Mittel der Wahl nur ein sogenanntes gekoppelt achsgeführtes Kniegelenk.  „Leider ist der Patient dann in seinem Bewegungsablauf eingeschränkt, da das Implantat wie ein  Scharniergelenk funktioniert.“   
Beste Erfahrung haben die Chirurgen mit der zementierten Verankerung der Prothesen gemacht:  „Knochenzement ist ein genialer Werkstoff, der sich  nahezu fünfzig Jahre unverändert auf dem  Markt hält“, berichtet Dr. Klanke. „Zudem belegt die Studienlage dessen lange Lebensdauer. Eine  hauchdünne Schicht sorgt bereits für die gute Stabilisierung des Gelenkersatzes am Knochen –  diese Daten liegen bei der zementfreien OP- Methode noch nicht vor.“   
Nach der Operation ist die sofortige Bewegung des Kniegelenks für die reibungslose Mobilität  notwendig: „Das Kniegelenk ist fest verankert, da kann nichts passieren“, beruhigt Dr. Gelbke.
Deshalb beginnen die Physiotherapeuten des Vinzenzkrankenhauses Hannover direkt im  Anschluss mit den ersten, passiven Bewegungsübungen mithilfe einer Motorschiene, um  Verklebungen oder Verwachsungen am Kniegelenk vorzubeugen. Bereits am zweiten Tag folgen  weitere Übungen. „Nach acht bis zehn Tagen bei uns im Haus werden die Patienten dann in der  Regel zur ambulanten Nachbehandlung nach Hause oder in eine Reha-Klinik zur dreiwöchigen  Anschlussheilbehandlung entlassen“, so Dr. Klanke. Kontrolluntersuchungen sollten nach drei  Monaten und nach einem Jahr stattfinden.     
„Die Chancen, mit einem künstlichen Kniegelenk heutzutage schmerzärmer zu sein und wieder  Sport mit gleichmäßigen, kontrollierten Bewegungsabläufen, wie Walken, Radfahren, Golf oder  Schwimmen, treiben zu können, sind hoch“, berichtet Dr. Klanke. „90 Prozent der Patienten sind  mit dem neuen Gelenk  zufrieden!“              

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