23.06.2016

Auszeichnung für Vinzenzkrankenhaus Hannover

  • Konzept zur Begleitung von Demenzerkrankten gewinnt ersten Preis der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen e.V.
  • Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus geebnet

(v.l) Prof. Jürgen Brommer, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, Sigrid Müller-Zenner und Susann Schwanebeck, Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
(v.l) Prof. Jürgen Brommer, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, Sigrid Müller-Zenner und Susann Schwanebeck, Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Für ihr Konzept „Das Vinzenzkrankenhaus Hannover auf dem Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus“ hat das Vinzenzkrankenhaus Hannover den ersten Preis der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen für „Besonders demenzsensible Projekte“ gewonnen. Der Preis ist insgesamt mit 12.000 Euro dotiert und wurde gestern Abend feierlich im Neuen Rathaus in Hannover verliehen.

„Es freut uns sehr, dass die Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen das von unseren Mitarbeiterinnen erarbeitete Projektkonzept mit dem ersten Preis ausgelobt hat“, sagte Geschäftsführer Michael Hartlage. „Aufgrund des demografischen Wandels wird die Diagnose ‚Demenz‘ bei der Behandlung des eigentlichen Krankheitsbildes an Bedeutung zunehmen. Wir haben den Handlungsbedarf erkannt und uns des Themas angenommen.“

Bereits 2015 hat das Vinzenzkrankenhaus zwei Stabsstellen für Demenzbeauftragte geschaffen, um eine verbesserte Versorgung von Patienten mit Demenz sicherzustellen und Belastungen für alle Beteiligten auf ein Minimum zu reduzieren. Dafür wurden unter anderem die Mitarbeiter für die Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen sensibilisiert, die Interaktionen klar und transparent strukturiert und neben den zwei hauptamtlichen Demenzbeauftragten ehrenamtliche Demenzbegleiter eingeführt. Seit April dieses Jahres begleiten drei Ehrenamtliche nun die Betroffenen während ihres Aufenthalts bei Bedarf. „Die kognitiv eingeschränkten Patienten brauchen eine feste Tagesstruktur“, weiß Sigrid Müller-Zenner als offizielle Demenzbeauftragte. „Unser Anspruch ist es, den Erkrankten Orientierung und Geborgenheit zu bieten. Deshalb helfen die ehrenamtlichen Demenzbegleiterinnen den Patienten, sich im Haus zurechtzufinden, gehen unter anderem mit ihnen spazieren, lesen ihnen vor und unterstützen sie bei der Nahrungsaufnahme.“ Auf diese Tätigkeiten wurden sie von Susann Schwanebeck intensiv vorbereitet – die ausgebildete Dipl. Pflegepädagogin ist die zweite offizielle Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses und für die Schulungen verantwortlich: „Wir haben die Demenzbegleiterinnen umfassend unterrichtet; sie wurden beispielsweise in den unterschiedlichen Formen des Krankheitsbildes, in den Umgangsmethoden, sowie Möglichkeiten der Ansprache und Aktivierungsangeboten geschult.“ Für die Zukunft sind unter anderem eine Angehörigensprechstunde, Schülerprojekte und ein bedürfnisorientiertes Ernährungsangebot sowie ein Klinikleitfaden geplant.

Dieses Engagement hat die Jury der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen überzeugt, die bei den Bewerbungen um den Preis auf die Innovation, Qualität des Projekts, die Praxistauglichkeit, Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit achtete. „Das Vinzenzkrankenhaus hat ein allumfassendes Konzept mit einer realistischen Zeitplanung vorgelegt“, hebt Tanja Sädtler von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., dem Kooperationspartner der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, hervor. „Darüber hinaus hat das Haus Personalressourcen bereitgestellt, um zwei Stabstellen der Demenzbeauftragten schaffen zu können. Dies und die Tatsache, dass das Vinzenzkrankenhaus auch besonderen Wert auf die Kompetenz der Akteure legt und den Ehrenamtlichen Schulungen anbietet, hat die Jury bewogen, den ersten Platz an dieses Konzept zu vergeben.“

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und über das Preisgeld in Höhe von 6000 Euro“, so Sigrid Müller-Zenner. „Wir wollen weitere Demenzbegleiter ausbilden – die nächste Schulung ist im November 2016 geplant. Darüber hinaus haben wir in unserer hauseigenen Gesundheits- und Krankenpflegeschule das Thema Demenz aufgegriffen, damit auch junge Menschen dafür sensibilisiert werden.“

Die Bedeutung des Themas Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus und damit auch des Preises hob Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt hervor: „Demenz ist aufgrund des demografischen Wandels ein Thema, das in der Gesellschaft angekommen ist. Mein herzlicher Dank geht an die Krankenhäuser, die mitmachen, denn wir brauchen Lösungen für diese Menschen und Häuser, die sich des Themas annehmen.“

„Es wird sich nichts bewegen, wenn die Krankenhäuser nicht in Vorleistung gehen“, machte Geschäftsführer Michael Hartlage deutlich. „Wir wollen mit unserem Engagement der Politik aufzeigen, das dringender Handlungsbedarf besteht. Allerdings dürfen die Krankenhäuser nicht auf den Kosten des demografischen Wandels hängen bleiben. Die Gesundheitspolitik wird sich des Themas annehmen müssen, um der Entwicklung Rechnung zu tragen.“

Bild: VKH-H Preisverleihung demenzsensibles Krankenhaus

Bildunterschrift: (v.l) Prof. Jürgen Brommer, Vorstandsvorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, Sigrid Müller-Zenner und Susann Schwanebeck, Demenzbeauftragte des Vinzenzkrankenhauses Hannover, Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Bildnachweis: Vinzenzkrankenhaus Hannover