10.08.2020

Das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 (August): Pflege im Vinzenz

Der Pflegedirektor des Vinzenzkrankenhauses Jörg Waldmann im Interview
     

Im Vinzenzkrankenhaus Hannover möchten wir das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 feiern und im Zuge dessen über aktuelle Themen aus unserem Hause und den Bereichen Pflege und Gesundheit informieren. In diesem Artikel beantwortet uns der Pflegedirektor des Vinzenzkrankenhauses Jörg Waldmann Fragen rund um die Pflege im Haus.  Weitere Einblicke in die Bereiche Pflege und Gesundheit finden Sie auch in den aktuellen  Ausgaben unseres Magazins DAS VINZENZ.

Herr Waldmann, erst einmal zu Ihnen. Sie sind ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger, haben berufsbegleitend Pflegemanagement studiert und sind nun seit 2019 als Pflegedirektor im Vinzenzkrankenhaus tätig. Erzählen Sie gern ein wenig von Ihrem Werdegang.

Als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger habe ich von 1988 bis 2006 im OP gearbeitet. Zunächst in Seesen, danach in Wolfenbüttel im Zentral-OP. Hier habe ich auch meine Fachweiterbildung in operativer und endoskopischer Pflege absolviert und wurde dann erst stellvertretender, dann Leiter des Zentral-OP. Anschließend habe ich die Weiterbildung zur Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege absolviert und wurde Abteilungsleiter der Pflege im Funktionsdienst. Mit 40 habe ich mich dazu entschieden, mich durch ein Studium noch weiter zu qualifizieren und habe von 2010 bis 2013 berufsbegleitend das Studium Pflegemanagement an der Hochschule Osnabrück absolviert. Ab 2013 war ich dann Pflegedirektor eines Krankenhauses in Braunschweig, seit 2019 bin ich hier im Vinzenz tätig und verantworte das gesamte Management des Bereichs Pflege.

Den Begriff Pflege kennen wir alle – aber dahinter verbirgt sich ja eine unglaublich große berufliche Vielfalt. Wie ist das hier im Vinzenz?

Das stimmt, Pflege ist nicht gleich Pflege. Hier im Vinzenzkrankenhaus beschäftigen wir im Pflege- und Funktionsdienst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit vielfältigen Fachweiterbildungen und Kenntnissen. Bei uns arbeiten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, examinierte AltenpflegerInnen, medizinische Fachangestellte, StationssekretärInnen, Operations- und Anästhesietechnische Assistenten, Experten für Stoma, Inkontinenz und Wundmanagement, onkologische FachpflegerInnen, FachpflegerInnen für Geriatrie, FachpflegerInnen für die operative und endoskopische Pflege, FachpflegerInnen für Intensiv und Anästhesie, FachpflegerInnen für die Notfallpflege, Experten für die Demenzbetreuung und sicherlich habe ich jetzt auch noch einige vergessen. So stellen wir die umfassende pflegerische und medizinische Versorgung der Patienten sicher.

Ist es bei einer so großen Vielfalt überhaupt möglich, den typischen Arbeitstag in der Pflege zu beschreiben?

Das ist in der Tat schwierig, da je nach Station und Bereich höchst unterschiedliche Aufgaben und Abläufe anfallen. Grundsätzlich kann man aber in die Arbeit auf bettenführenden Stationen und dem Funktionsdienst unterscheiden. In der Pflege auf der Station wird im klassischen 3-Schicht-System gearbeitet. Wir bieten allerdings auch Zwischenschichten an, für diejenigen die beispielsweise kleine Kinder haben und diese erst ab einer bestimmten Uhrzeit in die Kita bringen können. Nach Schichtbeginn findet stets eine Übergabe statt, bei der Informationen zu Patienten sowie Kranksheitsbildern- und verläufen an die nächste Schicht vermittelt werden. Neben der ständigen Bereitschaft für die Bedürfnisse der Patienten und deren pflegerische Versorgung stehen laufend administrative Tätigkeiten und Vorbereitungen auf OPs und Untersuchungen an. Im Funktionsdienst arbeitet man in der Regel zu den Hauptdienstzeiten, aber auch Früh- oder Spätschicht sind beispielsweise im OP möglich. Zudem gibt es hier auch Bereitschafts- und Rufdienste für unsere verschiedenen medizinischen Abteilungen.

Nicht nur, aber auch in Zeiten von Corona ist es wichtig, sich mit dem Pflegenotstand in Deutschland auseinanderzusetzen. Was tut das Vinzenzkrankenhaus, um Mitarbeiter zu entlasten?

In den vergangenen 1,5 Jahren hat sich viel verändert! Wir bieten viele positive Rahmenbedingungen wie Jobtickets oder die Fluxx Notfallbetreuung für Mitarbeiter mit Kindern. Die Arbeitsabläufe werden beispielsweise durch den Transportdienst oder Menüassistenten entlastet. Essentiell ist auch die intensive Personalakquise, durch unsere neue Karriereseite sehen wir großes Potential für die Gewinnung neuer Pflegefachkräfte. Zudem bilden wir in unserer eigenen Berufsfachschule Pflege auch selbst aus. Jedes Jahr schließen ca. 20 junge Menschen die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger (zukünftig zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann) bei uns ab. Viele davon übernehmen wir im Vinzenzkrankenhaus, in diesem Jahr waren es 11 Auszubildende.

Inwiefern ist die Berufsfachschule Pflege ans Vinzenz angebunden? Gibt es hier bereits Einblicke in die Praxis?

Neben den theoretischen Unterrichtseinheiten und den umfänglichen Praxiseinsätzen auf Station führen wir seit einigen Jahren erfolgreich das Projekt „Schüler leiten eine Station“ durch. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen für 3-4 Wochen die Leitung für eine Station im Vinzenz. Dabei werden sie von Praxisanleitern und den erfahrenen Pflegefachkräften vor Ort unterstützt. Aktuell gibt es im Vinzenz zwei hauptamtliche Praxisanleiter, die sich voll und ganz unseren Auszubildenden widmen – wobei wir aktuell dabei sind diesen Bereich noch auszubauen und weiter zu stärken.

Das Vinzenz ist als katholisches Krankenhaus  durch sein christliches Leitbild geprägt. Wie wirkt sich dies auf die Pflege aus? Inwiefern unterscheiden wir uns hier von anderen Krankenhäusern?

„Liebe im Herzen zu haben und auf der Zunge – das genügt nicht. Sie muss in Taten übergehen.“ Dieses Zitat unseres Ordensgründers Vinzenz von Paul spiegelt sich nicht nur in unserem Leitbild sondern auch in unserer täglichen Arbeit wider. Wir achten die Würde des Menschen in jeder Lebensphase unabhängig von religiöser, ethnischer und gesellschaftlicher Herkunft oder Stellung. Unsere Werte und unser Menschenbild prägen die Arbeit im Vinzenzkrankenhaus, nicht zuletzt auch durch unsere Ordensschwestern, die bis 2018 noch hier im Haus lebten. Diese Grundhaltung ist meines Erachtens auch im Haus zu spüren und wird sowohl von Patienten und Angehörigen als auch von Mitarbeitenden selbst sehr geschätzt.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke! Zum Abschluss noch eine letzte Frage: Wenn Sie sich etwas für die Zukunft der Pflege wünschen könnten, was wäre dies?

Ich wünsche mir, dass die professionelle Pflege endlich die gesellschaftliche Anerkennung bekommt, die sie verdient – und damit meine ich nicht das „Klatschen“ auf dem Balkon. Professionelle Pflege muss gesellschaftlich als eigenständiger Heilberuf anerkannt werden und dieses muss sich zum einen in der verantwortlichen Übernahme von vorbehaltlichen Tätigkeiten, als auch in einer der Verantwortung entsprechenden Vergütung widerspiegeln. Nur dann wird es uns gelingen den Beruf der professionell Pflegenden wieder so attraktiv werden zu lassen, dass wir uns über den „Nachwuchs“ keine Sorgen mehr machen müssen. Die professionell Pflegenden müssen aber auch bereit sein, diese Verantwortung zu übernehmen und dieses auch selbstbewusst als eigenständige Profession einfordern – auch hier ist sicherlich noch viel Arbeit in der eigenen Berufsgruppe zu leisten. Für das Vinzenzkrankenhaus kann ich sagen, dass wir hier, so glaube ich, auf einem sehr guten Weg sind und diesen auch weiterhin gemeinsam bestreiten werden!