01.01.2020

Das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 (Januar): Florence Nightingale

Weltweit ist die „Lady with the Lamp“ als Pflegepionierin und Wegbereiterin der modernen Krankenpflege bekannt – doch wer ist Florence Nightingale und wie kam sie zu ihrer Berufung als Krankenschwester?
 

 

Im Vinzenzkrankenhaus Hannover möchten wir das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 feiern und im Zuge dessen über aktuelle Themen aus unserem Hause und den Bereichen Pflege und Gesundheit informieren. Weitere Informationen finden Sie daher auch in den kommenden Ausgaben unseres Magazins DAS VINZENZ.

Am 12.05.2020 jährt sich der Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zum 200. Mal. Neben Meilensteinen im Gesundheitswesen wie der Einführung der von ihr begründeten Pflegetheorie, war Nightingale 1907 die erste Frau, die jemals mit dem britischen Order of Merit ausgezeichnet wurde. Weltweit ist die „Lady with the Lamp“ als Pflegepionierin und Wegbereiterin der modernen Krankenpflege bekannt – doch wer ist Florence Nightingale und wie kam sie zu ihrer Berufung als Krankenschwester?
Florence Nightingale wird 1820 als Tochter einer wohlhabenden britischen Familie in der italienischen Stadt Florenz geboren, von der sich Nightingales Eltern auch bei der Namensgebung ihres Kindes inspirieren lassen. Als Angehörige der britischen Oberschicht wächst Nightingale in der Nähe von London auf und erhält eine ausgezeichnete Schul- und Allgemeinbildung. Erste Erfahrungen in der Krankenpflege sammelt Nightingale bereits in sehr jungen Jahren bei der Pflege kranker Familienmitglieder, zudem begleitet sie ihre Mutter und Gouvernante bei Krankenbesuchen in umliegenden Dörfern. So gewinnt sie bereits früh erste Eindrücke in die prekären Lebensbedingungen der unteren Bevölkerungsschichten.
Im Jahr 1837, Nightingale ist hier 17 Jahre alt, widmet sie sich vier Wochen lang der intensiven Krankenpflege, als eine schwere Grippe-Epidemie England heimsucht. Die tief gläubige Florence berichtet aus dieser Zeit auch von einem religiösen Erweckungserlebnis, das sie in ihrer Berufung zur Krankenschwester weiter bestärkt. Entgegen hartnäckigen Einwänden seitens der Eltern erhält sie in den Folgejahren dann auch tiefergehende Studien im medizinischen Bereich.  Spätestens ab 1844 fühlt Florence Nightingale sich dann endgültig der Krankenpflege verpflichtet. Grund dafür ist die Begegnung mit einem amerikanischen Arzt im Hause der Familie.

Entgegen der gesellschaftlichen Normen und dem Widerstand der Eltern macht sich Nightingale im Jahr 1850 zu einem dreimonatigen Aufenthalt in die Diakonissenanstalt Kaiserswerth bei Düsseldorf auf, um sich dort mit der praktischen Pflege vertraut zu machen. Anschließend reist sie nach Paris und hospitiert in verschiedenen Krankenhäusern und bei den Vinzentinerinnen.

Im Zuge des Krimkrieges zwischen Russland und einer Allianz, der auch Nightingales Heimat England angehört, wird die mittlerweile 33-jährige Florence dann vom britischen Kriegsministerium mit der Leitung einer Gruppe von 38 Krankenschwestern beauftragt. Nightingale begibt sich nach Skutari, einem Vorort des heutigen Istanbuls in der Türkei, und findet im dortigen Lazarett erschreckende hygienische Zustände vor.

Durch ihren unermüdlichen Einsatz gegen die starre Rollenverteilung der damaligen Zeit kann sie weitreichende Verbesserungen in der Hygiene, Ernährung und Unterbringung der verwundeten Soldaten erreichen. Dann erkrankt Nightingale selbst, verbleibt jedoch bis Kriegsende vor Ort und setzt sich weiterhin mit aller Kraft für verbesserte Pflegebedingungen ein.

Zurück in England ist Nightingale unterdessen eine kleine Berühmtheit: Zeitungen und Plakate berichten von ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer außergewöhnlichen Leistung. So populär ist Florence, dass sie sogar von Queen Victoria zu einer Audienz geladen wird. Sie erreicht eine königliche Kommission, die die Mängel im Gesundheitswesen beheben sollen. Nightingale verfolgt dabei einen modernen ganzheitlichen Ansatz der Medizin und Krankenpflege: neben den Lebensumständen der Patienten bezieht sie auch ihre Ernährung, Krankheitsgeschichte und psychische wie physische Situation mit ein, achtet penibel auf Desinfektion und Hygiene.
 
Einer der Höhepunkte im ungewöhnlichen Leben der Florence Nightingale ist 1860 die Gründung ihrer eigenen Pflegeschule „Nightingale School of Nursing“ im St. Thomas Hospital in London. Bis heute wirkt ihr Erbe in der Institution fort: die Pflegeschule ist heute als Florence Nightingale Faculty of Nursing, Midwifery & Palliative Care Teil des King’s College in London.

Am 13. August 1910 stirbt Nightingale schließlich im Alter von 90 Jahren. Zurück lässt sie neben der Pflegeschule über 200 Bücher und Schriften sowie den Ansatz für die moderne Krankenpflege. Auch 110 Jahre nach ihrem Tod finden sich weltweit noch Spuren von Florence Nightingale, so beispielsweise in der Namensgebung von Krankenhäusern und nicht zuletzt auch im seit 1967 jährlich begangenen Tag der Pflege am 12 Mai.

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