01.03.2020

Das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 (März): andere Länder - andere Geburten

In Deutschland kam 2017 jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Im europäischen Vergleich gehört es zu den Ländern mit der höchsten Kaiserschnittrate – doch wie kommen diese Unterschiede zustande?

Im Vinzenzkrankenhaus Hannover möchten wir das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 feiern und im Zuge dessen über aktuelle Themen aus unserem Hause und den Bereichen Pflege und Gesundheit informieren. Weitere Informationen finden Sie daher auch in den kommenden Ausgaben unseres Magazins DAS VINZENZ.

Ein Kaiserschnitt rettet Leben. Bereits 1610 wurde in Deutschland der erste Kaiserschnitt durchgeführt, seitdem ist dieser aus der Geburtshilfe nicht mehr wegzudenken. So kann zum Beispiel bei ungünstiger Lage des Kindes, anatomischen Schwierigkeiten, aber auch bei mangelhafter Sauerstoffversorgung die Entnahme des Neugeborenen durch den Bauch sowohl das Leben des Kindes, als auch das der Mutter retten. Laut der Weltgesundheitsorganisation treten diese und weitere medizinischen Indikationen jedoch nur bei zehn bis fünfzehn Prozent der Geburten auf.

Dennoch werden in einigen europäischen Ländern weit mehr als 30 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt geboren. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen ist der medizinische Fortschritt inzwischen soweit, dass Kaiserschnitte eine sehr sichere Operation darstellen. Bei einigen Frauen löst die Option des, in ihren Augen, sehr kontrollierten Kaiserschnittes damit weniger Angst aus als die der natürlichen Geburt. Zum anderen kann es auch kosmetische Gründe haben. Bei der natürlichen Geburt kann es zu Verletzungen im Intimbereich kommen. Gebärende fürchten, dass sich diese Verletzungen und die kosmetischen Folgen dieser auf ihre Attraktivität und ihr Sexleben auswirken könnten. Auch hat die Einstellung zur Geburt und zu Schmerzen großen Einfluss: In den Ländern, in denen die Kaiserschnittrate eher gering ist, werden Geburten und Schmerzen oft eher pragmatisch und als etwas Alltägliches gesehen. Dadurch werden nicht nur weniger Kaiserschnitte gebraucht, sondern die Frauen nehmen seltener Schmerzmittel während der Geburt in Anspruch als in anderen Ländern.

Der schwerwiegendste Unterschied zwischen Ländern mit vielen und wenigen Kaiserschnitten ist allerdings die Verfügbarkeit und Stellung von Hebammen. Je mehr Hebammen es gibt und je stärker sie die werdenden Mütter während der Schwangerschaft und während der Geburt unterstützen können, desto weniger Kaiserschnitte gibt es.
Hebammen beraten, untersuchen, stützen, halten Hände und teilen ihre Erfahrungen mit den Schwangeren. Hierbei können sie Ängste lindern, falsche Informationen aufklären und den Frauen neue Perspektiven, Mittel und Methoden aufzeigen. Durch die bessere Vorbereitung der werdenden Mütter auf die Geburt und die umfassende Begleitung währenddessen entscheiden sich mehr Frauen für eine natürliche Geburt.

Eine natürliche Geburt kann sich außerdem positiv auf das Neugeborene auswirken. So sollen laut mehrerer Studien Kinder, die natürlich geboren worden, weniger anfällig für Erkrankungen und Allergien sein.

  Andere Länder - andere Geburten.pdf