31.08.2020

Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 (September): Studium Midwifery - die Modernisierung des Hebammenberufs

Hebammen stehen in ihrem Berufsfeld heute immer komplexeren, dynamischeren Anforderungen gegenüber. Das Aufgabengebiet reicht inzwischen weit über die reine Geburtshilfe hinaus, da sich der Bedarf in der Versorgung stark geändert hat. Damit Hebammen den hohen Ansprüchen und notwendigen Qualifikationen dieses Gesundheitsberufs gerecht werden, ist inzwischen in ganz Deutschland neben der Berufsausbildung zur Hebamme auch der Erwerb eines akademischen Grades für diese Fachrichtung möglich.
         

 

 
Im Vinzenzkrankenhaus Hannover möchten wir das Jahr der Pflegenden und Hebammen 2020 feiern und im Zuge dessen über aktuelle Themen aus unserem Hause und den Bereichen Pflege und Gesundheit informieren. Weitere Informationen finden Sie daher auch in den kommenden Ausgaben unseres Magazins DAS VINZENZ.

Hebammen stehen in ihrem Berufsfeld heute immer komplexeren, dynamischeren Anforderungen gegenüber. Das Aufgabengebiet reicht inzwischen weit über die reine Geburtshilfe hinaus, da sich der Bedarf in der Versorgung stark geändert hat. Damit Hebammen den hohen Ansprüchen und notwendigen Qualifikationen dieses Gesundheitsberufs gerecht werden, ist inzwischen in ganz Deutschland neben der Berufsausbildung zur Hebamme auch der Erwerb eines akademischen Grades für diese Fachrichtung möglich. 2008 wurde in Osnabrück der erste Bachelorstudiengang in Midwifery gegründet. Dort war bereits 1987 die erste Professur für Pflegewissenschaft entstanden. Seitdem sind viele neue Studienmöglichkeiten für Hebammen entwickelt worden, die an verschiedenen Studienorten in Deutschland angeboten werden. Zahlreiche weitere Studiengänge im Bereich der Gesundheits- und Pflegewissenschaften richten sich ebenfalls explizit an studieninteressierte Hebammenschülerinnen bzw. bereits examinierte Hebammen.

Der Studiengang modernisiert die Anforderungen an den Beruf der Hebamme. Er befähigt Hebammen und Entbindungspflegern zur maximalen Nutzung von Ressourcen und optimiert ihre Kompetenzen in der bedürfnisorientierten Versorgungsgestaltung von Frauen und ihren Familien bei der Schwangerschaft. Dazu sollen Sie mit einer umfangreichen Mischung aus aktueller Forschung und praktischen Inhalten fachwissenschaftliche und fachübergreifende Kompetenzen erwerben.

Der Aufbau des Studiums

Das Studium baut auf die Hebammen- und Entbindungspfleger-Ausbildung auf und ist als duales Studium aufgebaut. Dabei wird es in Studien- und Ausbildungsphasen unterteilt, die entsprechend der Hochschulen unterschiedlich strukturiert sind. Die Regelstudienzeit beträgt sechs bis zehn Semester.

Examinierte Hebammen können im ersten Studienabschnitt berufsbegleitend studieren. Hebammen und Entbindungspfleger, die 18 Monate Berufserfahrung nachweisen können, haben nach einer Äquivalenzprüfung die Möglichkeit per Quereinstieg direkt in das vierte Semester, also das Vollzeitstudium, einzusteigen. Das Studium wird mit dem Bachelor of Science abgeschlossen, mit dem man die Berufsbezeichnung „Hebamme“ erhält. An manchen Hochschulen wird inzwischen auch ein Masterstudiengang angeboten, der an das Bachelorstudium anknüpft.

Studieninhalte

Zu den inhaltlichen Studienschwerpunkten des Studiengangs Midwifery zählen die empirische Hebammenforschung, die evidenzbasierte klinische Entscheidungsfindung sowie die Familien- und klientinnenorientierte Versorgungsgestaltung. Es wird ein besonderer Fokus auf wissenschaftliche Methodenkompetenz, Professionalisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. Die Studierenden lernen im Detail die Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen kennen und erlernen vielfältiges, hochwertiges Wissen über medizinische Grundlagen, ethische Entscheidungsfindung, Kommunikation, Pädagogik, Familienarbeit, Personalentwicklung und Qualitätsmanagement in der Praxis des Berufsfeldes von Hebammen.

Zulassungsvoraussetzungen

Studieninteressierte Hebammenschülerinnen oder Entbindungspfleger benötigen eine Hochschulzugangsberechtigung oder eine gleichwertige Vorbildung wie eine Immaturenprüfung. Außerdem müssen sie einen Ausbildungsplatz zur Hebamme oder zum Entbindungspfleger an einer  mit dem Studiengang kooperierenden Hebammenschule haben. Studieninteressierte Hebammen oder Entbindungspfleger, die bereits examiniert sind, müssen sich ebenfalls die Allgemeine Hochschulreife angeeignet haben sowie einen Nachweis über ihre abgeschlossene Berufsausbildung als Hebamme oder Entbindungspfleger vorlegen können. Alle Studieninteressierten müssen zusätzlich weitere persönliche Eigenschaften wie Kontaktfreude, Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen, zeitliche Flexibilität, Empathie und die Fähigkeit zur
bedürfnisorientierten Versorgung mitbringen.

Mehr Möglichkeiten im Job

Studierende des Midwifery-Studiengangs nehmen nach Abschluss ihres Studiums ein hohes Maß an Selbständigkeit, Methodenkenntnis, Bedürfnisorientierung und Reflexionsvermögen sowie vielfältige Berufsmöglichkeiten mit. Hebammen arbeiten teils freiberuflich, allein oder im Team in Hebammenpraxen oder Geburtshäusern. Dabei betreuen sie schwangere Frauen, junge Mütter und Familien zuhause und in medizinischen Einrichtungen. In Krankenhäusern arbeiten Hebammen im Kreißsaal, auf der Schwangerenstation oder der Wochenbettstation. Die Hebammen stehen den Müttern mit dem komplexen, erlernten Wissen aus den vielfältigen Inhalten ihres Studiums in allen Phasen rund um die Geburt zur Seite. Sie betreuen, begleiten und überwachen, sie helfen bei Schwangerschaftsbeschwerden, bei der Geburtsvorbereitung und nach der Geburt geben sie Rückbildungskurse sowie Still- und Ernährungsberatung. Auch Schwangerenberatung und die Elternschule gehören zu ihrem Einsatzgebiet. Sie können außerdem einer Tätigkeit im Qualitätsmanagement, auf Leitungsebene und im Risikomanagement in klinischen und außerklinischen Praxen nachgehen. Darüber hinaus werden Hebammen mit dem Masterstudiengang für Aufgaben in der Hebammenforschung, für die Ausbildung und für Leitungsfunktionen qualifiziert.