Interdisziplinär, zertifiziert und nah an den Patient*innen
Hannover, 27. Februar 2026: Seit 20 Jahren steht das Brustzentrum am Vinzenzkrankenhaus Hannover für eine qualitätsgesicherte, interdisziplinäre und patientinnenorientierte Versorgung von Menschen mit Brustkrebs. Was mit dem Aufbau neuer Strukturen und viel Pioniergeist begann, ist heute ein fest etabliertes, zertifiziertes Zentrum, in dem medizinische Expertise, moderne Therapiekonzepte und psychosoziale Begleitung eng ineinandergreifen.
Von Beginn an war der Anspruch hoch: Patient*innen sollten nicht nur medizinisch bestmöglich behandelt, sondern in einer existenziellen Lebensphase ganzheitlich begleitet werden. „Unser Ziel war es, Sicherheit, Verlässlichkeit und individuelle Betreuung regelhaft vorzuhalten – unabhängig von einzelnen Personen“, erinnert sich der ehemalige Chefarzt Dr. Jörg Pape an die Gründungsjahre. Dafür mussten neue Strukturen geschaffen werden, etwa im Qualitätsmanagement, in der Psychoonkologie oder der Tumordokumentation. „Das bedeutete zusätzliche Arbeit für viele Berufsgruppen, aber das gemeinsame Ziel hat alle getragen.“
Heute ist das Brustzentrum ein zentraler Knotenpunkt innerhalb eines starken Netzwerks aus Gynäkologie, medikamentöser Tumortherapie, Radioonkologie, Pathologie, Pflege, Breast Care Nurses, Psychoonkologie, Sozialdienst, Qualitätsmanagement und Tumordokumentation. In regelmäßigen interdisziplinären Tumorkonferenzen werden Befunde zusammengeführt und individuelle Therapiekonzepte entwickelt.
„Wir sind eine Hauptschaltstelle für Informationen und die weitere Therapie“, beschreibt die Koordinatorin des Brustzentrum, Dr. Katharina Würfel, die heutige Arbeit. „Nicht eine einzelne Behandlerin oder ein einzelner Behandler entscheidet, sondern ein Team, das gemeinsam mit der Patientin den besten Weg festlegt.“ Besonders die rasanten Entwicklungen in der medikamentösen Therapie sowie die zunehmende Digitalisierung haben die Versorgung in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Ein wichtiger Baustein des Zentrums ist die enge Begleitung durch Breast Care Nurses. Sie stehen Patientinnen von der Diagnosestellung über die stationäre und ambulante Behandlung bis hin zur Nachsorge als feste Ansprechpartnerinnen zur Seite. Ergänzt wird dies durch die Psychoonkologie, die seit den Anfängen ein integraler Bestandteil des Zentrums ist. „Medizinische Information allein reicht oft nicht aus“, betont Elisabeth Flemming, Psychoonkologin im Vinzenz. „Emotionale Stabilisierung kann entscheidend dafür sein, dass Patientinnen ihre Therapie verstehen, mittragen und bewältigen können.“
Auch hinter den Kulissen hat sich viel getan: Die Tumordokumentation ist heute vollständig digitalisiert und bildet eine wichtige Grundlage für Qualitätssicherung, Zertifizierung und evidenzbasierte Weiterentwicklung der Behandlung. „Präzise Daten sind essenziell – insbesondere für Tumorboards und Audits“, so Jana Meyer-Rosenberg aus der Dokumentation.
Nach 20 Jahren zieht das Brustzentrum eine positive Bilanz – und blickt zugleich nach vorn. Die kontinuierliche Weiterentwicklung medizinischer Therapien, steigende Anforderungen an Qualität und Transparenz sowie veränderte Bedürfnisse der Patientinnen bleiben zentrale Aufgaben. „Brustkrebsbehandlung ist Teamarbeit“, so Chefarzt PD Dr Sudip Kundu. „Und sie endet nicht mit der Operation oder der letzten Therapie – sondern mit dem Anspruch, Patient*innen langfristig gut begleitet zu wissen.“